Mietenblog
Elf Jahre zu viel gezahlt: Die Vonovia- Mieter*innen in Tannenbusch fordern fast 50.000 Euro für 2024 zurück
Bonn. In einer einzelnen Vonovia-Siedlung in Bonn-Tannenbusch zahlen mindestens 286 Haushalte seit elf Jahren zu hohe Heizkosten – ohne es zu wissen. Der Grund: Vonovia hat die gesetzlich vorgeschriebenen Wärmemengenzähler nie eingebaut. Betroffene Mieter*innen haben deshalb Anspruch auf 15 Prozent Kürzung ihrer Heizkosten – doch nur wer aktiv widerspricht, bekommt sein Geld zurück. Allein für die 286 bereits geprüften Wohnungen ergibt sich ein geschätzter Erstattungsanspruch von 42.900 Euro pro Jahr. 41 weitere Wohnungen derselben Siedlung stehen noch zur Prüfung aus – da alle Gebäude baugleich sind, dürfte der Gesamtanspruch auf fast 50.000 Euro pro Jahr steigen. Jetzt organisieren sich die Mieter*innen: Am 10. April laden Aktive der Heizkostenkampagne zur Nachbarschaftsversammlung, um die Ansprüche gemeinsam durchzusetzen.
Systematisches Problem aufgedeckt
Seit August 2025 werden in der Siedlung Heizkostenabrechnungen geprüft – ausgelöst durch eine einzelne Mieterin, die ihre Abrechnung über heizkostencheck.app einreichte. Von 327 Wohnungen sind bisher 286 kontrolliert – in allen fehlen die vorgeschriebenen Zähler. Weil alle Haushalte an denselben fehlerhaft abgerechneten Heizanlagen hängen, gilt: Was für eine Wohnung bewiesen ist, gilt für den ganzen Block. Deshalb soll der Widerspruch gemeinsam eingereicht werden.
Bundesweites Muster – Vonovia kürzt nicht von sich aus
Das Problem ist nicht auf Bonn beschränkt. In Dresden stellte sich erst im Februar heraus, dass in 193 Vonovia-Wohnungen im Stadtteil Pieschen ebenfalls keine Wärmemengenzähler verbaut sind – geschätzter Erstattungsanspruch: 30.000 Euro. Vonovia räumte dort ein, die Gebiete erst „Schritt für Schritt“ nachzurüsten. Auch in Berlin fehlen in zwei Siedlungen mit 450 Wohnungen die vorgeschriebenen Zähler seit elf Jahren. Das Muster ist überall gleich: Vonovia kürzt nicht automatisch. Nur wer aktiv widerspricht, bekommt sein Geld zurück.
Vonovia selbst bestätigt das Recht
Vonovia-Sprecherin Christina Jordan bestätigte gegenüber dem General-Anzeiger Bonn das Kürzungsrecht der Mieter*innen. Trotzdem kürzt der Konzern nicht von sich aus – Betroffene müssen selbst aktiv werden. Munirae Gharevi-Kox, Rechtsberaterin beim Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V., begrüßt deshalb flächendeckende Widersprüche: Sie seien ein wirksames Mittel, um den steigenden Warmmieten etwas entgegenzusetzen.
„286 Wohnungen, 42.900 Euro – und es werden vermutlich noch mehr“, sagt Angela Trinkert, Stadtverordnete der Linken in Tannenbusch. „41 Wohnungen stehen noch zur Prüfung aus. Wenn sich die Nachbarschaft gemeinsam organisiert und widerspricht, kann Vonovia nicht mehr einfach abwiegeln. In Dresden rüstet der Konzern bereits nach – das zeigt: Druck wirkt.“
„Ich freue mich sehr, dass die Linke Bonn diesen kostenlosen Heizkostencheck anbietet. Eine Erstattung von 15% sind mehr als ich erwartet hatte und daher kann ich jedem empfehlen, seine letzte Heizkostenabrechnung prüfen zu lassen,“ sagt eine betroffene Mieterin aus Tannenbusch.
Nachbarschaftsversammlung am 10. April
Am 10. April sind alle Mieter*innen aus Tannenbusch eingeladen, sich über ihre Ansprüche zu informieren und gemeinsam aktiv zu werden. Bei Tee und Kuchen wird erklärt, wie die fehlerhafte Abrechnung aussieht und wie Betroffene ihr Geld zurückbekommen. Gemeinsam wird Widerspruch eingelegt. Munirae Gharevi-Kox erklärt die Rechtslage und beantwortet Fragen. Auch andere Probleme mit Vonovia können angesprochen werden.
Termin: Donnerstag, 10. April, 16 Uhr
Ort: Quartiersbüro, Oppelner Straße 126b, 53119 Bonn
Keine Anmeldung nötig.
Hintergrund
Die Heizkostenkampagne der Linken prüft bundesweit Heizkostenabrechnungen über die kostenlose Anwendung heizkostencheck.app. Bislang wurden über 16.000 Abrechnungen geprüft – jede vierte ist fehlerhaft. In Bonn startete die Kampagne im Dezember 2024 mit einem Aktionstag in Tannenbusch. Seitdem gehen Aktive gezielt von Tür zu Tür, um Mieter*innen über ihre Rechte aufzuklären. Ein lokales Prüfteam in Bonn bearbeitet eingehende Fälle inzwischen vor Ort. In Dresden führte der öffentliche Druck bereits dazu, dass Vonovia ankündigte, Wärmemengenzähler nachzurüsten.
Für Mieter*innen:
Abrechnung prüfen: heizkostencheck.app
Kontakt: heizkosten@dielinke-bonn.de
Website: www.mietabzocke-stoppen.de
Kontakt für Presseanfragen:
Kai Lütz, Kreissprecher Bonn
E-Mail: kai.luetz@linkebonn.de
Die Linke Kreisverband Bonn, Vorgebirgsstraße 24, 53111 Bonn
