Vor 65 Jahren, am 27.01.1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Was sie dort zu sehen bekamen, haben viele geahnt und befürchtet und doch nicht für möglich gehalten. Viele Deutsche haben es gewusst, es aber nicht wissen wollen. Und viele Deutsche hätten gegen dieses Verbrechen aufstehen und kämpfen müssen und haben es nicht getan.
Doch was die Soldaten der Roten Armee dort in Auschwitz zu sehen bekamen, war nur ein Bruchteil des Verbrechens des nationalsozialistischen Deutschland.
Tausende KZ-Häftlinge wurden von den Nazis vor den heranrückenden Sowjets ins westliche Reich verlegt. Es sollte keine Zeugen des technokratisch organisierten Vernichtungswillens geben. Zehntausende kamen auf diesen Todesmärschen um.
Am Ende des von NS-Deutschland begonnenen Krieges waren es Millionen von Toten. Menschen, die dem Machtwahn und dem völkischen Wahnsinn der Nazis zum Opfer fielen. Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen, Schwule, Lesben und Menschen, deren Leben die Nazis als unwert befanden. Dazu kamen Millionen in den von Deutschland überfallenen Ländern und die alliierten Soldaten, die im Kampf um die Befreiung vom Nationalsozialismus ihr Leben ließen.
All diesen Menschen gedenken wir heute am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Das war die Losung vieler Überlebender. Nie wieder...
Am 13. Februar wollen in Dresden mehrere tausend Nazis aus Deutschland und dem europäischen Ausland durch Dresden ziehen. Sie wollen den 65. Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten für ihre Propaganda missbrauchen. Sie wollen die Verbrechen des Nationalsozialismus relativieren, leugnen und verharmlosen. Mit Hilfe dieses Geschichtsrevisionismus, in dem die Deutschen als Opfer gelten sollen, wollen sie ein neues völkisches Großdeutschland aufbauen.
Dabei kommt ihnen zu Gute, dass der antifaschistische Auftrag des Grundgesetzes immer noch nicht umgesetzt ist.
Nie wieder hieß es auch bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die Konsequenz dieses „Nie wieder“ - nämlich das Verbot und das konsequente Vorgehen gegen rassistische neonazistische Gruppen und Parteien, lässt bis heute staatlicherseits auf sich warten. Dies bedeutet für uns einerseits nicht nachzulassen mit der Forderung nach einem Verbot aller Neo-Nazi-Parteien und Gruppen. Dies bedeutet für uns andererseits antifaschistischer Kampf auf allen Ebenen.
Hunderte von Parteien, Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen haben sich zu einem großen Bündnis zusammengetan um den Nazi-Aufmarsch in Dresden zu blockieren. Dies ist der notwendige und legitime Übergang von Protest zu Widerstand. Es reicht nicht aus zu rufen: Nie wieder Faschismus!! Gerade das staatliche Versagen in Sachen Verbot der Nazi-Organisationen fordert alle antifaschistisch gesinnten Menschen heraus, selbst aktiv zu werden.
Dass antifaschistisches Engagement Staatsanwaltschaften und Repressionsorgane auf den Plan ruft, ist ein Skandal, der die Sonntagsreden vom Aufstand der Anständigen konterkariert. So jüngst in Berlin und Dresden, wo in großangelegten Razzien, die Mobilisierungsplakate für die Blockade des Nazi-Aufmarsches in Dresden beschlagnahmt wurden. Die Antwort kann nur lauten: Jetzt erst recht.
Wir legen jetzt hier am Gedenkstein Blumen niederlegen und gedenken mit einer Schweigeminute allen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Worte zur Kranzniederlegung von Jürgen Repschläger, Sprecher des KV DIE LINKE. Bonn