Bonn ist eine internationale Stadt. Das multikulturelle Klima, die Präsenz internationaler Institutionen und die Verbindungen in die ganze Welt verpflichten die Kommune zu einer Politik des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und des toleranten Miteinanders.
Wir fordern konkret
- Die Städtepartnerschaften der Stadt Bonn und der Stadtbezirke gilt es zu stärken und mit Leben zu füllen. Ein internationales Miteinander entsteht vor allem durch zivilgesellschaftlichen Austausch und nicht durch wechselseitige Besuche lokaler Politprominenz. Schulklassen, Vereine, Bürgerinitiativen und Stadtteilgruppen können dazu beitragen, Vertrauen zu bilden und Freundschaften zu pflegen. DIE LINKE. Bonn tritt dafür ein, nur noch für diese Form der Partnerschaftspflege städtische Mittel zur Verfügung zu stellen.
- Neue Städtepartnerschaften müssen der internationalen Verständigung dienen. DIE LINKE. Bonn begrüßt daher die Initiative für eine Partnerschaft mit der palästinensischen Stadt „Nablus“. Dies könnte in Verbindung mit der bestehenden Partnerschaft mit Tel Aviv Raum der Begegnung für die Menschen aus der Konfliktregion des Nahen Ostens eröffnen.
- Jenseits ritualisierter Politikgepflogenheiten wird die Stadt Bonn im Ausland vornehmlich über die vielen Gruppen wahrgenommen, die z.B. wichtige Hilfe zur Selbsthilfe in den Ländern des Südens leisten und die Idee der Einen Welt in unsere Stadt tragen. Das internationale Konzept der Bundesstadt Bonn muss maßgeblich auf diese Gruppen ausgerichtet und ihre Arbeit muss stärker unterstützt werden. Ein erster Schritt wäre die formale Anerkennung der freundschaftlichen Verbindungen, die von vielen Bonner Vereinen, beispielsweise nach San Ramon, Nicaragua oder Petropolis, Brasilien gepflegt werden. Dadurch würde das ehrenamtliche Engagement anerkannt und das internationale Profil Bonns gestärkt.
- Der Tag der interkulturellen Begegnung und der Eine-Welt-Tag in Bonn stellen für viele Initiativen im internationalen Bereich eine gute Möglichkeit dar, die eigene Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Eine-Welt-Tag konnte jüngst nicht mehr stattfinden. DIE LINKE. Bonn erwartet von der Stadt durch organisatorische und finanzielle Unterstützung Impulse für eine Neuauflage zu geben.
- DIE LINKE. Bonn fordert die Wiederbereitstellung der von der schwarz-gelben Landesregierung gestrichenen Mittel für kommunale Entwicklungshilfe sowie die Rücknahem der Finanzkürzungen für die lokale Koordination der Entwicklungszusammenarbeit (Streichung der Promotorenstellen).
- Globale Gerechtigkeit beginnt lokal. DIE LINKE. Bonn setzt sich dafür ein, dass im Vergabe- und Beschaffungswesen der Bundesstadt Bonn soziale Mindeststandards verankert und ausgebaut werden. Internationaler Handel muss auf fairen Bedingungen fußen. Kinderarbeit und Ausbeutung von Natur und Menschen in den Ländern des Südens darf von der Bundesstadt Bonn keinesfalls aus finanziellen Gründen mit Aufträgen honoriert werden. Dieser Ansatz muss überall gelten, wo die Stadt Bonn Einfluss besitzt. Auf den Friedhöfen dürfen z.B. keine Grabsteine mehr aufgestellt werden, die aus Steinbrüchen stammen, wo Kinderarbeit stattfindet. Eine entsprechende Zertifizierungpflicht muss in der Friedhofssatzung verankert werden.
- Die Bundesstadt Bonn ist UN-Stadt. Für DIE LINKE. Bonn ist die Präsenz der Vereinten Nationen trotz bestehendem Demokratisierungs- und Reformbedarf ein Gewinn für die Stadt. Wir werden uns auch zukünftig für eine Ausweitung der Präsenz von UN-Organisationen und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) einsetzen. Dies muss mit erlebbaren Begegnungsmöglichkeiten für die Bevölkerung einhergehen.
- Kommunalpolitik in einer international verankerten Stadt wie Bonn ist auch immer Friedenspolitik. Wir wenden uns daher gegen die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen zivilen Institutionen der Stadt und der Bundeswehr im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit, die den Einsatz der Bundeswehr im Innern vorantreibt. Internationale Städtepartnerschaften und die Beteiligung der Stadt Bonn am Netzwerk „Cities for Peace“ fördern vielmehr das Kennenlernen und friedliche Zusammenleben. In Zukunft soll der/die OberbürgermeisterIn Bonns mehr als nur passives Mitglied der internationalen Gemeinschaft „Mayors for Peace“ sein. Durch Ratsbeschluss soll diese Mitgliedschaft zu einer gesamtstädtischen Angelegenheit gemacht werden. DIE LINKE. Bonn unterstützt das jährliche Gedenken an die Opfer des Atomwaffenangriffes auf Hiroshima.
- Bereits seit 1880 wird die Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt militärisch genutzt. Im Jahr 2012 zieht sich das Bundesverteidigungsministerium von dem Areal zurück und eröffnet damit die Möglichkeit zu einer endgültigen zivilen Nutzung nach über 130jähriger Präsenz des Militärs. DIE LINKE. Bonn unterstützt die „Initiative für eine zivile Nutzung der Ermekeilkaserne“. Ein Begegnungs- und Kulturzentrum auf dem Gebiet der Ermekeilkaserne muss ein Beispiel dafür werden, welche kulturellen und sozialen Potenziale ein Rückzug des Militärischen aus der Gesellschaft freisetzen kann. Die Stadt muss die planungsrechtlichen Schritte zur Konversion des Areals einleiten und die Initiative in ihrem Anliegen konsequent unterstützen.
- Auch in Bonn sind viele Straßen und Plätze nach Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens benannt. DIE LINKE Bonn tritt für eine Umbenennung ein, wenn sich dahinter Menschen verbergen, deren Leben und Wirken in völligem Widerspruch zu demokratischen Grundsätzen steht. Die Roonstraße ist nach Albrecht Roon (1803-1879) benannt. Als Feudalherr und hoher Offizier bekämpfte er die 1848er Revolution in Deutschland. Er brachte es bis zum preußischen Kriegsminister unter Bismarck. Wir fordern daher die Umbenennung der Roonstraße, die Offenlegung der Straßenbenennungsliste sowie Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Entscheidung über die Namen von Straßen und Plätzen. In diesem Sinne will sich DIE LINKE. Bonn auch dafür einsetzen, die Maxstrasse in der Altstadt wieder in Karl-Marx-Straße umzubenennen.
- Wir setzen uns dafür ein, dass die zuständigen Stellen bei Polizei und Verwaltung die zunehmende Präsenz neofaschistischer Organisationen in unserer Stadt nicht verharmlosen, sondern gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt Gegenmaßnahmen entwickeln. In diesem Sinne unterstützen wir die Initiativen der Bürgerinnen und Bürger gegen Rechts. Wir treten für die Bereitstellung von Mitteln zur kommunalen Bildungs- und Aufklärungsarbeit gegen Neofaschismus ein und für die Einrichtung einer Informations- und Beratungsstelle gegen Rechtextremismus.