Die zunehmende Entfremdung der Bürger und Bürgerinnen von unserer derzeitigen Gesellschaftsordnung bzw. unserem Wirtschaftssystem zeigt sich in eklatanter Art und Weise in dem Maße wie die menschliche Arbeitskraft zusehends funktional bzw. als reiner Kostenfaktor angesehen wird. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verschlechtert sich immer mehr zuungunsten der Arbeitnehmer. Die grassierende Finanzkrise spricht da Bände. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt in permanenter Angstvor der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen finanziellen und sozialen Abstieg. Die Folgen der Unsicherheit zeigen sich in einer steigenden Rate von psychischen Erkrankungen wie dem Burn-Out-Syndrom aufgrund von Angstzuständen, Arbeitsüberlastung und Unterbezahlung. Allein in Bonn beziehen mehr als 4.000 Menschen trotz Erwerbstätigkeit Transferleistungen vom Staat, sei es, weil sie kurzfristige, wöchentlich beschränkte Arbeitszeiten haben, sei es, weil ihre Arbeit nur unzureichend entlohnt wird.
Die Zahl derjenigen, die bereits vollkommen von staatlichen Leistungen im Sinne des SGB II und SGB III abhängig sind, beziffert sich in Bonn auf offiziell ca. 11.500. Nicht eingeschlossen sind dabei diejenigen Menschen, die den Weg zur ARGE oder dem Sozialamt scheuen und diejenigen, die sich als 1-Euro-Jobber oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) verdingen. Das sind bereits mehr als 5.000 Bonner Bürger. Unsere grundsätzliche Forderung besteht deshalb in der allgemeinen Einführung eines Mindestlohnes, einer Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich und einer Erhöhung des Hartz IV Eckregelsatzes.
Die so genannten Qualifizierungsmaßnahmen, welche die ARGE den Arbeitslosen vermittelt, sind im Hinblick auf eine Beendigung der Erwerbslosigkeit zu einem Großteil Scheinangebote, an denen insbesondere die Bildungsträger verdienen - den Erwerbslosen dienen sie aber kaum als Sprungbrett zurück ins Erwerbsleben! Durch die Praxis der Zwangsumzüge von Hartz IV-Betroffenen wird den Erwerbslosen sogar noch die Würde und das Selbstvertrauen genommen.
Das Modell ARGE, so wie es sich tagtäglich präsentiert, hat sich in Bonn und anderswo nicht bewährt. Die transparente und leistungsfähige Neuorganisation der Arbeitsämter bzw. Arbeitsagenturen ist dringend erforderlich. Es muss Schluss sein mit einer undurchsichtigen, unkontrollierbaren und auch
verfassungswidrigen Behördenstruktur ARGE, die die Menschen mit ihren Probleme alleine lässt oder drangsaliert.
Die prekäre Lage vieler Geringverdiener und/oder Hartz IV-Betroffener zeigt sich auch eklatant an der Verdoppelung der Fälle in den Schuldnerberatungsstellen oder in der erschreckend hohen Zunahme von Bedürftigen, die (kostenlose) Tafeln aufsuchen müssen, um sich und ihre Familien ernähren zu können.
Gerade in Zeiten konjunktureller Schwäche müssen die Arbeitnehmerrechte und die Rechte sozial Benachteiligter gestärkt werden!
DIE LINKE. Bonn fordert daher:
Die fortwährenden Unzulänglichkeiten der ARGE Bonn manifestieren sich in verwaltungstechnischem Dilettantismus, dem dissozialen Verhalten den Kunden gegenüber, einer Welle von Klagen gegen Bescheide und andere Verwaltungsakte, einer Intransparenz der inneren Strukturen der ARGE, sowie der Ineffizienz bei der Wiedereingliederung der Hartz-IV-Betroffenen.
Dringend notwendig ist es daher, den ARGE-Beirat und die ARGE-Lenkungsgruppe durch neutrale soziale Organisationen (Kirchen, Erwerbslosen- und Sozialforen) zu erweitern, die dort gleichberechtigtes Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht besitzen. Des Weiteren gehört es auch zu den Aufgaben des Stadtrats als demokratisch legitimiertes Gremium, Kontrollfunktionen gegenüber der ARGE auszuüben.
Von der ARGE fordert DIE LINKE. Bonn:
Auf wirtschaftspolitischer Ebene erweist sich die Stadt Bonn als ein herausragender Standort für Wissenschaft, Politik und Kultur. Diese positive Grundvoraussetzung muss zu einem Ausbau dieser Bereiche führen. Dies bedeutet unter anderem eine klare Standortbestimmung für die letzten verbliebenen Bonner Ministerien, sowie die verstärkte Nutzung der Ressourcen für alle Institutionen aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Kunst und Kultur. Die Förderung der Stadt Bonn als Kongreß- und Tagungszentrum und der Ausbau des Tourismus sind deshalb unabdingbare Zukunftsinvestitionen für den wirtschafts- und wissenschaftspolitischen Standort Bonn.
DIE LINKE.Bonn fordert deshalb: